Chapter 302: Rabenhand - Incubus Leben in einer Welt von Superkraft-Nutzern - NovelsTime

Incubus Leben in einer Welt von Superkraft-Nutzern

Chapter 302: Rabenhand

Author: Anime_timez24
updatedAt: 2025-08-31

CHAPTER 302: RABENHAND

Er bewegte sich zielstrebig, aber ohne Eile. Jede Akte wurde nacheinander in den Ordner gelegt, gleichmäßig und ungehetzt, als wäre sein Geist bereits woanders.

Keine Panik, kein Zweifel. Nur Kontrolle. Als hätte er die Möglichkeiten bereits gesehen, abgewogen, und nun stellte er die Figuren auf, bevor irgendjemand überhaupt bemerkte, dass ein Spiel begonnen hatte.

"Wenn dieses Ding anfängt aufzupassen," sagte er leise, "werden wir es nicht mehr nur mit Kulten zu tun haben."

Er ging um sie herum. Streifte sie nicht, warf keinen Blick hinüber. Bewegte sich einfach – effizient, präzise.

Die Lichter waren noch an, aber die Schwere im Raum ließ sie gedämpft wirken.

"Fahren Sie alles herunter. Besprechungsprotokolle. Überwachungsmarkierungen. Energiespuren. Ich will das unter einem Siegel der dritten Stufe begraben haben.

Keine Sicherungskopien. Keine Spiegelungen. Nicht ein einziges Flackern davon in den normalen Systemen."

"Ja, Sir."

Er hielt an der Tür inne. Seine Hand ruhte am Rahmen, so wie man innehält, bevor man in einen Wind tritt, von dem man weiß, dass er kommt, ihn aber noch nicht gespürt hat.

Dann, ohne sich ganz umzudrehen, sprach er erneut – ruhig, aber nicht kalt.

"Erzählen Sie meiner Schwester, was passiert ist, und fragen Sie sie, ob sie irgendeine Wahrsagung dazu durchführen kann."

Und damit ging er.

Die Luft bewegte sich nicht, aber irgendwie fühlte es sich an, als wäre etwas aus dem Raum gezogen worden. Als hätte sich eine Tür geschlossen, tiefer als die hinter ihm.

Zehn Minuten später war der Befehl bereits in Bewegung.

Es gab keine blinkenden Lichter, keine Alarme oder Benachrichtigungen an die äußeren Schichten. Alles bewegte sich unter der Oberfläche, schnitt durch private Leitungen und tiefe Kanäle, die den inneren Rat umgingen.

Dies war keine Reaktion. Dies war ein Ritual. Eine Antwort, eingebaut in die Architektur der verborgenen Welt hinter dem polierten Gesicht der Assoziation.

Eine schwarze Tafel, seit Jahren ruhend, flackerte einmal in einer versiegelten Unterkammer auf, die unter dem Astralis-Komplex vergraben lag.

Sie blinkte nicht wie ein Bildschirm. Sie pulsierte – als hätte sie die Berührung von etwas gespürt, auf das sie reagieren sollte.

Drei Glyphen leuchteten auf.

Keine Namen.

Keine Ränge.

Nicht einmal Worte.

Es waren Symbole. In Protokoll gemeißelt. Verbunden mit Eiden, die niemand laut aussprach.

Rabenhand.

Es wurden keine Anweisungen gesendet. Es gab keine Ankündigung. Keinen verbalen Befehl.

Aber das Signal war bereits verstanden worden.

Irgendwo unter der zentralen Kuppel der Universität erhob sich Arin Velcross von seinem Sitz in einer kleinen kreisförmigen Kammer ohne Ausgänge außer dem hinter ihm.

Er sah nicht überrascht aus. Er sah nicht einmal besonders wachsam aus. Er justierte nur die Schnallen an seinen Handschuhen und ging vorwärts.

Die Handschuhe waren keine Rüstung. Sie dienten nicht zum Schutz. Sie waren Erdungswerkzeuge. Seine Kraft kam nicht aus Gewalt – sie kam aus Kontakt. Aus Stabilität. Und jetzt brauchte er beides.

Hinter ihm erschien Maeva Lorne.

Nicht in einem Blitz.

Nicht mit einem Geräusch.

Einen Moment war der Raum still gewesen. Im nächsten war sie einfach da, ging, als hätte sie auf den richtigen Augenblick gewartet, um durch eine Falte in der Luft zu treten, die sonst niemand sehen konnte.

Ihr Mantel floss hinter ihr wie ein Schatten, der Form angenommen hatte, und streifte die Luft mit einer sanften Endgültigkeit, die nie ganz etwas um sie herum berührte.

Sie begrüßte ihn nicht.

Musste sie nicht.

Ihre Augen blieben nach vorne gerichtet, und sie ging, als würde der Ort ihren Namen bereits kennen.

Der Dritte war bereits drinnen.

Garan Leth.

Den meisten nur als Stille bekannt.

Er stand mit dem Rücken an der gegenüberliegenden Wand, die Hälfte seines Gesichts verborgen unter dem schwachen Schimmer eines Verschleierungsfeldes, das kaum mit Energie pulsierte.

Seine Augen waren halb geschlossen, als würde er im Stehen schlafen – aber in dem Moment, in dem sie sich bewegten, tat er es auch.

Sie sprachen nicht.

Es gab keinen Grund dazu.

Der Befehl war bereits auf eine Weise übermittelt worden, die das Denken umging. Eingebettete Befehle. Protokolle, die in ihnen verschlossen waren, seit dem Moment, als sie der Rabenhand beitraten.

In der Mitte der Kammer stand ein Podest.

Arin griff zuerst nach dem Siegel – ein schmaler Streifen Talismanstoff, der halb leuchtete mit Schichten von Eindämmungsrunen.

Nicht massenproduziert und nicht einmal dupliziert. Dies war etwas handgefertigtes. Mit Blut gebunden und dazu bestimmt, einmal verwendet zu werden.

Maeva holte das zweite, ein kleineres, aber schwereres Siegel. Es trug eine Glyphe, die nicht für das Ziel bestimmt war. Sie war für ihren Gott bestimmt, denjenigen, der durch Risse und Fragmente beobachtete.

Stille nahm nichts.

Aber als er in den Kreis trat, sank die Luft im Raum, als wäre etwas Wichtiges gerade entfernt worden. Nicht Energie. Nicht Wärme.

Aufmerksamkeit.

Sie traten zusammen.

Eine Bewegung.

Und dann waren sie weg.

Kein Knacken. Keine Verzerrung. Nur Abwesenheit.

Kilometer entfernt saß Blasser Spiegel allein in der stillen Ecke eines vergessenen Schreins. Der Kult hatte es eine Ruhezone genannt, aber sie hatte nicht geruht. Sie hatte nicht einmal die Augen geschlossen. Die Glyphenkerzen schwebten über dem Altar und flackerten ein wenig zu langsam.

Sie fühlte sich beobachtet.

Nicht auf die Weise, wie jemand paranoid ist. Kein Verdacht.

Sie wusste, dass etwas sie beobachtete.

Die Spannung hatte langsam begonnen, wie eine Verzögerung zwischen der Welt und ihrem Körper. Der Ton kam nicht, wenn er sollte.

Das Licht dehnte sich länger aus, als es sollte. Und dann setzte sich das Gefühl fest – hier schlich sich nicht jemand an sie heran.

Hier war bereits jemand drinnen.

Sie stand auf, langsam, vorsichtig.

Machte einen Schritt.

Dann noch einen.

Der Druck fiel.

Nicht wie eine Hand, die sie niederdrückte. Es war leiser als das. Dichter.

Eine Gestalt trat ins Blickfeld – nicht hereingehend. Nicht hereinblinkend. Einfach... da.

Arin Velcross stand still.

Und irgendwie war das schlimmer, als wenn er sich bewegt hätte.

Sie spürte, wie ihr Verstand nach einer Richtung suchte, aber sie konnte sich nicht konzentrieren. Konnte nicht richtig atmen. Ihre Lippen bewegten sich, aber die Worte blieben in ihrem Hals stecken.

Maeva kam hinter ihm ins Blickfeld, ihre Augen ruhig, ihr Siegel in beiden Händen erhoben.

"Blasser Spiegel."

Ihre Stimme erhob sich nicht. Hallte nicht wider.

Sie existierte einfach.

"Dies ist nicht dein Tod. Deshalb sind wir nicht gekommen."

Das Siegel schimmerte. Dann verdunkelte es sich.

Die Botschaft war überbracht worden.

"Wir sind Rabenhand."

Blasser Spiegel stolperte, ihre Knie gaben leicht nach, bevor sie sich fing. Sie fühlte nicht einmal Angst. Nicht die Art, die sie verstand. Es ging nicht um Schmerz oder Bestrafung.

Dies war die Angst, gemessen zu werden und bleiben zu dürfen.

Maeva hörte nicht auf.

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